Kritik // Gedanken zu Frauenzeitschriften

Lest ihr gerne Frauenzeitschriften? Auf der Hive Konferenz lag das “Flair fashion & home” Magazin aus und ich habe mir eins mitgenommen. Wie das so ist, wenn es etwas umsonst gibt. :-) Gestern Abend habe ich die Zeitschrift endlich durchgeblättert und auch wenn die “Flair” eingestellt werden soll, muss ich gerade trotzdem noch meinen Senf dazu geben. Ich habe mich nämlich geärgert.

Für alle, die das Magazin nicht kennen: Wie der Name sagt handelt es sich um eine Verbindung aus Mode und Interior-Design. Meine Kritik richtet sich auch nicht ausschließlich an diese Zeitschrift, sondern soll allgemein ein wenig zum Nachdenken beim Zeitschriftenkonsum anregen.

Frauenzeitschriften haben es so an sich, dass sie aus einer Parade an Produkten bestehen. Albert wird das vielleicht nie verstehen, aber ich finde so eine bunte Welt schöner Dinge im gewissen Rahmen okay. Ich erfreue mich an schönen Dingen, sonst würde ich wahrscheinlich auch nicht diesen Blog schreiben. Nervig finde ich dann, wenn viele Produkte komplett aus dem preislichen Rahmen fallen (nicht nur aus dem studentischen): Ein Tiffany & Co. Picknickkorb für 3550€? Welche Zielgruppe wollt ihr erreichen, liebe Flair-Redaktion? (Nachdem sie sich diese Frage gestellt haben, wurde die Zeitschrift wahrscheinlich eingestellt.) Ist hier das Argument, dass es eben eine Inspiration darstellt und man bei Gefallen nach einem günstigeren, ähnlichen Modell Ausschau halten soll? Oder wollt ihr einfach die Faszination der Welt der Schönen und Reichen vermitteln? Na gut, es waren auch günstigere Produkte zu sehen und ich will es mal dabei belassen. Danny von Cozy & Cuddly hat sich in ihrem Artikel Ich wünsche mir ein Stückchen Normalität auch schon mal über exorbitante Preise und untragbare Mode in Zeitschriften geärgert.

Frauenzeitschriften Flair Magazin

All die schönen abgebildeten Produkte werden selbstverständlich vorher ausgewählt: Nach dem Aussehen, der Marke, der schönsten PR-Mitteilung, dem nettesten Kontakt, … Zum Beispiel die CC-Creams auf Seite 152. Ich sehe hier fünf Cremes abgebildet und einen passenden Text, was die aus mir machen sollen – natürlich nur positives! Dazu ein Zitat der “Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung von L’Oreal Paris” (als unabhängige Befragte muss sie es ja wissen). Der Informationsgehalt ist so klein, dass ich eine Lupe brauche um ihn zu finden! Ich selbst habe zeitweise eine bestimmte CC-Creme genutzt, bis ich irgendwann durch Zufall feststellte, was die alles “positives” enthält. Wenn man hinten auf der Packung mal schaut was in so einer Creme enthalten ist und danach recherchiert, dann fragt man sich: Möchte ich mir das wirklich auf die Haut schmieren? Man sollte dabei nicht vergessen, dass es eben nicht nur äußerlich ist, sondern alles in den Körper einzieht! Jeder Bestandteil, der für Otto Normal wie eine Hieroglyphe klingt, in Wirklichkeit aber für ein Silikon oder ähnliches steht! Ich finde es schade, dass so etwas kein bisschen mit einbezogen wird bei solchen Artikeln. Welche Creme ist gut für mich, welche eher nicht? Das würde mich auch interessieren! Eine PR-Mitteilung übernehmen, vielleicht noch mal kurz bei Wikipedia nach einer Definition recherchieren und ein paar Bilder dazu. Fertig. Na ja, die Zeitschrift lebt von dieser Art der “einfachen” Information, aber ich möchte trotzdem darauf aufmerksam machen solche Sachen auch mal zu hinterfragen.

Was mich aber so richtig verärgert hat, weshalb ich hier eigentlich gerade schreibe, ist ein Artikel über “Happy Hour für die Füße” (Seite 18). Da wird auf einer ganzen Seite ein Unternehmen mit einer Schuhmarke angepriesen, das superbequeme High Heels gegen Fußschmerzen herstellt, die sich “wie bequeme Kaminschuhe” anfühlen und “wie eine zweite Haut sitzen”. Daneben ein Bild von 12-Zentimeter Stöckelschuhen. Bitte was? Wer schreibt so etwas ohne nachzudenken?

Ich erwarte nicht übertrieben viel von einer Frauenzeitschrift! Ich möchte mich entspannen, schöne Bilder sehen, nette und nicht zu lange Texte lesen und vielleicht noch inspiriert werden. Ich erwarte nicht Stiftung Warentest. Aber gestern habe ich wirklich gedacht: “Nö. Ich muss mir auch nicht alles auftischen lassen.” Und das wollte ich einfach mal mit euch teilen. Damit ihr euch auch nicht alles auftischen lasst.

Ich bin jedenfalls froh, dass es so wunderbare (digitale) Magazine wie das sisterMAGAZINE gibt, die eine ganz andere, eigene Richtung einschlagen:
“Wen möchten wir ansprechen? Die Menge an ambitionierten, gut ausgebildeten und selbstständigen Frauen, die sich für die digitale Welt begeistern und intelligente Informationen in ansprechenden Design präsentiert haben wollen.”
Ja, davon können sich noch so einige eine große Scheibe abschneiden. :-)